Banshikichō, John Cage & Toshi Ichiyanagi. MaerzMusik

Über die Veranstaltung

Naoyuki Manabe (shō) und Marc Sabat (Violine) führen Werke von Banshikichō, John Cage und Toshi Ichiyanag im Rahmen des MaerzMusik Festivals 2012 auf.

MaerzMusik ist das jährliche Festival für aktuelle Musik der Berliner Festspiele. Etablierte Künstler und junger Nachwuchs aus der ganzen Welt strömen jährlich im März nach Berlin, um ein dichtes Programm mit vielen Uraufführungen und Neuproduktionen – oftmals Auftragswerke von MaerzMusik – zu präsentieren.
 
MaerzMusik reagiert offensiv auf dieses neue Verhältnis zum Klang in der Gesellschaft. Das Festival für aktuelle Musik hebt Grenzen auf zwischen Tradition und Innovation. Mit seinem weiten Spektrum von Orchester‐ und Kammermusik über innovatives Musiktheater bis hin zu experimentellen und medienkünstlerischen Arbeiten bietet es ein faszinierendes und kontrastreiches Panorama der Gegenwartsmusik.

Die Klänge der Mundorgel Shō mögen Hörern westlicher Musik fremd erscheinen – sie erinnern an Akkordeon oder Mundharmonika. Die Shō wird im traditionellen japanischen Gagaku verwendet, eine Musikart, die an den kaiserlichen Höfen gepflegt wurde und von der heute noch etwa neunzig Kompositionen bekannt sind. Diese Stücke sind an traditionell vorgeschriebene Regeln gebunden, die keine Improvisation erlauben. Banshikichō bezeichnet den Modus des Stücks innerhalb des untemperierten Modalsystems und beinhaltet ganz bestimmte Ornamentierungen, Stimmungen und Tonumfänge. Melodie, Harmonie und Rhythmus gehen beim Spiel der Shō in der Bewegung und räumlichen Klangentfaltung von Tonclustern auf.

Auch John Cage, seit den 1960er Jahren in engem Kontakt mit japanischen Künstlern, hat sich intensiv mit traditioneller japanischer Musik beschäftigt. Seine Komposition Two4 für Violine und Shō ist in vieler Hinsicht eine Herausforderung. Der Violinist hat sechs Mikrotöne innerhalb eines Halbtones zu differenzieren, so dass 84 Töne innerhalb einer Oktave zur Verfügung stehen. Auch wenn Cage nicht die Präzision jedes einzelnen Tons fordert, so soll doch eine definierte Unbestimmtheit innerhalb eines Tonraums dargestellt werden. Während die Violine angehalten ist, Töne von langer Dauer zu spielen, bewegt sich die Shō in schnellen Schritten durch ihr Tonmaterial.

Toshi Ichiyanagi, geboren 1933 in Kobe (Japan), ist einer der Freunde, Weggefährten und Schüler von John Cage. Von 1952 bis 1961 lebte er in den USA und besuchte u. a. die New School for Social Research, an der Cage lehrte. Von 1956 bis 1963 war er mit der Künstlerin Yoko Ono verheiratet. Ichiyanagi gehörte zu den Vertretern der experimentellen Musik der New Yorker Avantgarde. Seit seiner Rückkehr nach Japan im Jahr 1961 schrieb er zahlreiche Kompositionen, in denen er klassische japanische und westliche Musik verbindet.
Dazu gehört Transfiguration of the Moon (1988), hier aufgeführt von zwei Komponisten und Solisten. Während Naoyuki Manabe zu den hochrangigen Spielern des Gagaku und der Shō gehört, ist Marc Sabat durch seine langjährige Beschäftigung mit experimenteller Musik und reinen Stimmungssystemen prädestiniert für dieses Konzert.

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