Williams Mix +, MaerzMusik 2012
Über die Veranstaltung
MaerzMusik ist das jährliche Festival für aktuelle Musik der Berliner Festspiele. Etablierte Künstler und junger Nachwuchs aus der ganzen Welt strömen jährlich im März nach Berlin, um ein dichtes Programm mit vielen Uraufführungen und Neuproduktionen – oftmals Auftragswerke von MaerzMusik – zu präsentieren.
MaerzMusik reagiert offensiv auf dieses neue Verhältnis zum Klang in der Gesellschaft. Das Festival für aktuelle Musik hebt Grenzen auf zwischen Tradition und Innovation. Mit seinem weiten Spektrum von Orchester‐ und Kammermusik über innovatives Musiktheater bis hin zu experimentellen und medienkünstlerischen Arbeiten bietet es ein faszinierendes und kontrastreiches Panorama der Gegenwartsmusik.
Der Williams Mix (1952/53) von John Cage gehört neben den Cinq etudes de bruit (1948) von Pierre Schaeffer und Karlheinz Stockhausens Studie II (1954) zu den Schlüsselwerken der frühen Tonbandmusik. Er war die erste Komposition für Tonband von John Cage und zugleich jene, die das Medium an seine Grenzen brachte.
Während frühe elektroakustische Tonbandstücke meist direkt während des Arbeitsprozesses im Studio entstanden, erstellte Cage vorab eine Partitur. Dabei ermittelte er alle notwendigen musikalischen Parameter mit Hilfe von Zufallsoperationen. Für die Realisation des achtkanaligen Stücks von 4’15 Minuten brauchte er mehr als ein halbes Jahr. Es besteht aus unterschiedlich angeschnittenen Tonbandschnipseln, die in Kleinstarbeit zusammengefügt wurden. Bis heute blieb John Cage der Einzige, der ein Tonbandstück nach seiner Partitur anfertigte.
Bei MaerzMusik sind erstmals eine digitale Realisation der Partitur durch Eckehard Güther sowie eine Neuinterpretation zu erleben. Diese Neuinterpretation nimmt eine Dehnung des Williams Mix auf 32 Minuten vor, wobei 600 unterschiedliche Sounds verwendet werden, die von Werner Dafeldecker und Valerio Tricoli produziert worden sind.
Darüber hinaus kommt es zu einer Wiederaufführung der Performance The Possibility of a New Work for Electric Guitar von Morton Feldman durch Christian Wolff und zu einer Rekonstruktion dieses Stücks durch den Gitarristen Seth Josel.
Ein weiterer Höhepunkt des Abends im Berghain ist die Aufführung von Imaginary Landscape No. 5, ein Tonbandstück von John Cage, für das 42 phonografische Aufnahmen verwendet wurden. Cage nutzte bei dieser Version aus dem Jahr 1952 vor allem Jazz‐Platten.